Exkursionen ins Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth

Erstellt am 12. August 2019

Anfang April hatten die BvB-Teilnehmer Gelegenheit im Rahmen der SchulKinoWoche Bayern den Film „Ballon“ von Michael „Bully“ Herbig im Hofer Central-Kino anzuschauen. Erzählt wird darin die Geschichte der Familien Strelzyk und Wetzel, die in einem selbst gebauten Heißluftballon unter Einsatz ihres Lebens aus der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in den Westen, in die Bundesrepublik Deutschland flüchteten.  Um zu ermessen, wie schwierig es tatsächlich war, die DDR zu verlassen, besuchten die BvB-Teilnehmer, die den Film gesehen hatten, das Deutsch-Deutsche Museum in Mödlareuth. Der Ort lag im ehemaligen Grenzgebiet und die Grenze zwischen Bayern und Thüringen teilte den Ort – bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges auch weiter kein Problem. Wie heißt es in einem kurzen Einführungsfilm über die Geschichte der Grenzziehung? Die Kinder gingen gemeinsam zur Schule, die Erwachsenen zusammen ins Wirtshaus, man feierte die Feste gemeinsam, half sich gegenseitig bei der Ernte.

Der verlorene Krieg brachte für Deutschland mit sich, dass dessen Staatsgebiet in vier Sektoren aufgeteilt wurde, jeweils einen amerikanischen, französischen, britischen und sowjetischen Sektor. Bei der Festlegung der jeweiligen Grenze bediente man sich alter Flurgrenzen, und so kam es, dass die Grenze zwischen dem amerikanischen und dem sowjetischen Sektor mitten durch Mödlareuth verlief. Zunächst war auch das kein Problem. Erst mit der Staatsgründung der DDR wurde aus der nur durch Grenzsteine ersichtlichen Grenze eine real existierende – zuerst markiert mit einem übermannshohen Bretterzaun, später durch eine Mauer. Diese brachte dem Ort den Beinamen „Little Berlin – Klein Berlin“ ein!

Wie überall am Grenzverlauf zwischen den beiden deutschen Staaten – immerhin fast 1400 km lang! – wurde auch in Mödlareuth die Grenze gesichert und schwer bewacht, aber nicht etwa, um sich gegen einen möglichen Angriff durch westliche Staaten zu schützen, sondern um zu verhindern, dass die eigene Bevölkerung das Land verlässt! Das Gebiet, das man nur mittels besonderer Ausweispapiere betreten durfte, begann bereits 5 km hinter der eigentlichen Grenze, und die Grenzsicherungsanlagen wurden, je näher es Richtung Westen ging, immer undurchlässiger.

Einen typischen Ausschnitt dieser Grenzsicherungsanlagen kann man in Mödlareuth besichtigen und damit einen Eindruck davon bekommen, wie menschenverachtend das damalige Regime der DDR die eigene Bevölkerung behandelte! Minenfelder, Selbstschussanlagen, Hundelaufanlagen, ein dichtes Netz an Beobachtungstürmen dienten dazu, unter Inkaufnahme von Menschenleben eine Flucht zu verhindern!

Die Führungen durch das Außengelände des Museums waren sehr interessant und gelegentlich auch sehr persönlich geprägt, weil natürlich auch der eine oder andere Museumsmitarbeiter aus der Region stammt und hautnah die Grenze mitbekommen hat. Von großem Interesse ist der Ort für viele Menschen, die eben NICHT aus der Region stammen, weil die meisten die deutsch-deutsche Grenze nur vom Hörensagen kannten, und sie sehr betroffen sind, wenn sie vom Ausmaß dieser Grenzsicherung erfahren. Sogar ein Fernsehteam aus Südkorea hielt sich einen Tag dort auf – seit dem Ende des Korea-Krieges 1953 durchzieht eine ähnlich undurchlässige Grenze Korea und teilt das Land in einen nord- und einen südkoreanischen Teil!

Seit dem 9. Dezember 1989 kann man wieder gefahrlos vom bayerischen Teil in den thüringischen Teil Mödlareuths wechseln!